C3



Danke an Otto Gräther 
für die Überarbeitung 
dieser Rubrik!


Im schwäbischen Dettingen/Erms, beim Opel-Händler Keinath, in den Hallen des alten Betriebs, bei der „Keinath Cabrio-Bau GbR", Vogelsangstraße 13, entstanden 434 Umbauten.
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Die Firma Keinath, 1935 vom Vater Paul als Tankstelle mit Kfz-Werkstatt gegründet, entwickelte sich zu einer Opel- und GM-Vertretung mit über 100 Mitarbeitern. Ab 1968 unter der Regie der Söhne Walter, Heinz und Horst.

Die drei Brüder waren von dem auf der IAA 1981 präsentierten Ascona Cabriolet so angetan, dass sie sich entschlossen, ihre eigene Version eines offenen Ascona zu realisieren. Nach sechs Monaten Entwicklungszeit verließen im Frühjahr 1983 die ersten Exemplare die Produktionshalle.  

Der Keinath C3 unterscheidet sich vom Hammond & Thiede - Umbau hauptsächlich durch eine andere Form des Verdecks, der Seitenscheiben, tieferliegende Gurtumlenkpunkte, sowie außenliegende Verstärkungen der Schweller. Letztere bereiten jedoch öfter Probleme, da sich hier gern Rost bildet. Ersatz muss individuell geformt werden und bedeutet deshalb einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand. Risse und Rostprobleme gibt es auch am oberen Frontscheibenrahmen, der zur Verstärkung ebenfalls modifiziert wurde. Keinath bot eine sechsjährige Garantie gegen Rost und gab an, dass das Cabrio für eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 Jahren konzipiert sei. [6]

Für den Keinath C3 war neben aufwendigen Lederausstattungen auch ein weißes oder schwarzes Hardtop lieferbar. Dass die Keinath Brüder stets die im nahen Sindelfingen heimische Qualität im Auge hatten, zeigt auch das Verdeck. Zum Lösen und Schließen der Halterungen am Windschutzscheibenrahmen ist wie bei Mercedes ein Spezialschlüssel vonnöten. (Achtung: Vor dem Öffnen müssen die hinteren Scheiben gesenkt werden!!)
Der Verdeckstoff ist derselbe wie der der damaligen Mercedes SL Modelle. Ganz in diesem Sinne wiesen die schwarzen Verdecke der ersten Keinath C3 Exemplare beige Innenseiten auf. Davon sah man später wegen der Schmutzempfindlichkeit ab. 

Das Gewicht des Wagens erhöhte sich durch den Umbau um 70 kg. Die Preisliste begann bei 40.200 DM für den 1,3 S mit 75 PS. Für die Lederausstattung rief Keinath 5.600 DM auf, 2.554 DM für ein Ausstattungspaket mit Blaupunkt Radio, Tieferlegung und Nebelscheinwerfern im Frontspoiler. Ein zeitgenössischer Artikel in der Opel Kundenzeitschrift „Start" beschreibt die überwiegende Käuferschaft: Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, die den C 3 gern als Zweitwagen für die Gattin erwarben. 

Für Cabrio-Vater Horst Keinath (1943 - 2011) war das C3 Cabriolet nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Karosseriebauprojekten. Schon kurz nach dem Ascona nahm er sich das Monza-Coupe vor und baute es zum exklusiven Cabrio C5 um. Von 1983 bis 1987 entstanden 43 Exemplare [2].

Durch diese Aktivitäten bekannt geworden, baute er für Erich Bitter 21 Cabriolets [3] des Bitter SC, darunter einen Rechtslenker. Der Senator B wurde ebenfalls geköpft. Die drei Exemplare, die entstanden sein sollen [4], waren aber wohl mehr Machbarkeitsstudie für Opel als Prototypen im Hinblick auf eine Kleinserie. 

1993 verließ Horst Keinath das Familien-Unternehmen, um sich fortan seinen Traum zu erfüllen. Nämlich in Eigenregie Automobile zu entwerfen. Im nahen Reutlingen baute er den Keinath GT als Roadster und Coupe. Zunächst in der von ihm weiterentwickelten Form des Opel GT, wobei der Roadster GT/R ein klapp- und versenkbares Kunststoffdach aufwies. In Zusammenarbeit mit der EDAG Engineering + Design AG entstand der Keinath GT/C, ein GT im ursprünglichen Sinne, welcher 2001 auf dem Genfer Automobilsalon Premiere feierte. An gleicher Stelle wurde ein Jahr später die Cabrioversion des GT/C präsentiert [5]. 

Diese Fahrzeuge hatten ihre eigene 17-stellige Fahrgestellnummer, Erkennungszeichen eines Weltherstellers. Die Beaulieu Encyclopaedia of the Automobile hat diesem Umstand nicht nur mit dem obligaten Eintrag sondern auch mit einer großformatigen Abbildung des Keinath GT Roadsters Rechnung getragen. Bis heute befindet sich das Firmenschild in der Täleswiesenstraße 3, doch die Unternehmung ist längst insolvent geworden.   

Das Autohaus Keinath wurde von Bruder Heinz weitergeführt, kam aber Ende der Neunziger Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Der Konkurs konnte nicht mehr abgewendet werden. Einige langjährige Mitarbeiter schlossen sich jedoch zusammen, um die Opel-Vertretung weiterzuführen. Sie firmiert heute unter der Bezeichnung Auto Center Ermstal.
In der Halle, in der einst die Ascona Cabriolets gebaut wurden (Bild unten), ist heute ein mittelständischer Betrieb ansässig, der Maschinenbauteile herstellt. 

 

Bei Ebay tauchte 2007 ein Keinath C3 1,8i Delta Turbo von 1987 mit 140 PS auf:

Wahrscheinlich wurden bei Delta Motor in Sursee, vereinzelt Garrett-Turbolader in Asconas eingebaut.

 

[1] E-mail von Heinz Keinath an Karl-Heinz Koch, 2. Mai 2000. In der Literatur finden sich deutlich abweichende Angaben, was die Stückzahl der Keinath C 3 angeht; 
Mayer/Kuch sprechen z. B. von nur 325 Exemplaren.  

[2] mot 12/2001, S. 82. Mayer/Kuch geben 18 Exemplare an.  

[3] www.bittercars.com/bitter/bitter.nsf/pages/SCCabrioletMain  

[4] www.senatorman.de

[5] Die Stückzahlen dieser Fahrzeuge dürften sich im unteren bis mittleren zweistelligen Bereich bewegen. Die Angabe in mot 12/2001, S. 81/ 82 bezieht sich auf den Roadster GT/R: "So entstanden in den letzten zweieinhalb Jahren 26 Exemplare der rund 1,3 Tonnen leichten Zweisitzer."

[6] Keinath Information vom 7.11.83